Tiefe Spuren: Sechs Stunden (2/2)
Shownotes
Ayla ist auf dem Weg zum Prozessbeginn am Kriminalgericht Moabit. Nach intensiver Suche hat die Polizei den zweiten Täter, der sie vergewaltigt hat, gefunden.
Ayla hat Angst, dass mit dem zweiten Prozess auch die Berichterstattung und die Hasskommentare wieder losgehen. Beim ersten Prozess hatte sie deshalb nach Hilfe in ihrer Partei gefragt, sich dort aber im Stich gelassen gefühlt. Die Grünen wiederum sagen: Interne Strukturen machen die Hilfe in Aylas Fall schwierig.
Ayla kämpft nicht nur um den Rückhalt ihrer Partei, sondern auch gegen zwei dominante Gefühle: Schuld und Scham. Beim zweiten Prozess will sie dem Täter in die Augen sehen. Sie will, dass die Scham die Seite wechselt.
Das ist die zweite von zwei Folgen von "Tiefe Spuren: Sechs Stunden". "Tiefe Spuren" sind Spezialfolgen von Mord auf Ex, in denen wir aufwändige Recherchen erzählen. In den letzten Jahren haben uns immer wieder Menschen mit ihren persönlichen Geschichten kontaktiert, wir haben einige von ihnen lange recherchiert. Vor Ort. Auf ihren Spuren.
Triggerwarnung: Sexuelle Gewalt
"Tiefe Spuren" ist eine Produktion von Auf Ex Productions. Hosts: Leonie Bartsch, Linn Schütze Skript: Marvin Ku, Maike Frye Produktion: Alexander Chouzanas Redaktion: Antonia Fischer
Weitere Informationen, Bilder und Videos findet ihr auf Social Media unter: @mordaufexpodcast
Du möchtest mehr über unsere Werbepartner erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte!
Du möchtest Werbung in diesem Podcast schalten? Dann erfahre hier mehr über die Werbemöglichkeiten bei Seven.One Audio!
Transkript anzeigen
00:00:00: In dieser Folge geht es unter anderem um sexuelle Gewalt.
00:00:03: Es gibt Details, die ihr euch verstören könnten.
00:00:06: Hört sie wirklich nur wenn ihr euch damit sicher fühlt?
00:00:09: Einige Namen haben wir aus Gründen des Persönlichkeitsrechts abgekürzt oder verändert.
00:00:35: Ich
00:00:51: bin schon seit halb vier wach.
00:00:53: Konnt nicht schlafen, konnte nicht schlaf und hab hier
00:00:57: Bäsche
00:00:58: gewascht.
00:00:58: Alles Mögliche gemacht!
00:00:59: Ja, du kannst
00:01:02: nicht schlapen.
00:01:03: Es ist ein Tag im März-Kurz vor acht Uhr morgens.
00:01:09: Eila öffnet die Tür und winkt unser Reporterteam hinein.
00:01:12: Sie macht sich gerade fertig.
00:01:14: in der Hand hält sie noch einen Schminkpinsel Dafür, dass sie anscheinend die halbe Nacht nicht geschlafen hat, sieht Eiler frisch aus.
00:01:21: Ja sogar gut gelaunt!
00:01:24: Sie trägt ein graues Atoi-Kleid und warnt gleich vor, dass er sich nochmal umziehen wird.
00:01:30: Das Kleid gefällt ihr nicht – sie will nicht so businessseriös wirken sondern lieber etwas tragen was sich nach ihr anfühlt.
00:01:38: Aber was trägt man schon bei einer Urteilsverkündung?
00:01:43: Während sie sich im Badspiegel betrachtet und ruhig auf ihre Wangen pudert, plaudert sie über alles Mögliche.
00:01:50: Übers Frühaufstehen und lange Schlafen, Über Inneneinrichtung oder wie sie mal während eines Corona-Lockdowns in die Caragoa gestrandet ist.
00:01:58: Im Hintergrund läuft türkische Popmusik.
00:02:02: Man könnte denken dass die thirty vierjährige sich für einen ganz normalen Arbeitstag vorbereitet ist das aber nicht.
00:02:10: Wir
00:02:10: haben jetzt auch vor und nach dieser Behandlung.
00:02:12: mein letztes Gag für ... keine Ahnung, Oli oder so was.
00:02:17: Ich werde mir irgendwas von Terps kaufen, nach dieser Verhandlung.
00:02:20: Und ... weil die Rechungen sind schon bezahlt.
00:02:25: Die Schwänden sind weg, die Wehrschaften sind bezahlt, die Niete ist weg, es ist ja alles abgemucht!
00:02:30: Und dieses restliche Geld, was da jetzt drauf ist, ist ja eigentlich zum Ausgeben?
00:02:34: Dann werd ich's ausgehen, wo den Rest des Monats endet, bei Muri oder meiner Schwester Aber ist halt so.
00:02:42: Oder ich bekomme einfach einen Vanis zu, oder so?
00:02:44: Das ist der Plan!
00:02:46: Heute ist der letzte von insgesamt vier Prozesttagen.
00:02:51: Heute entscheidet sich ob DER Mann verurteilt wird, der gemeinsam mit einem anderen Täter Eiler die schlimmste Nacht ihres Lebens bereitet hat.
00:03:17: Zusammen mit dem ersten Täter den wir mehr nennen, hat dieser zweite Mann Eiler in ihrer Wohnung überfallen Und für sechs Stunden in seine Gewalt gebracht.
00:03:28: Sechs Stunden, in denen die Männer sie mit einer Schusswaffe bedrohten und schwirrten, Sie würden Eila umbringen wenn sie nicht kooperieren sollte.
00:03:38: Sech Stunden, indem Eila nicht wusste ob sie diese Nacht überleben wird.
00:03:45: Sie wusste nur was die beiden wollten.
00:03:48: Geld!
00:03:51: Eila ist neben ihrem Job als Beamtein in der Politik tätig dass sie viel Geld verdienen würde.
00:03:59: Der Plan war, Sie zu überfallen und eine große Summe zu erpressen – es kam aber ganz anders!
00:04:06: Denn erstens ist Eiler als ehrenamtliche Lokalpolitikerin nicht reich.
00:04:12: Auf Ihrem Konto waren knappe fünftausend Euro.
00:04:16: Und zweitens haben die Täter keine Möglichkeit gefunden dieses Geld überhaupt vom Konto zu bekommen.
00:04:23: Als mehr Irgendwann die Wohnung verlassen hat, um einen Bekannten um Hilfe zu bitten ist Eila mit dem zweiten Täter zurückgeblieben.
00:04:31: In der folgenden Zeit hatte sie vergewaltigt.
00:04:35: Für Eila gleicht diese Erfahrung einem Marathon, der immer noch anhält.
00:04:41: Aber heute entscheidet sich wie er enden wird – ob er endend wird und wie es danach für Eila weitergeht.
00:05:02: Nach einer halben Stunde ist sie fertig.
00:05:04: Am Ende hat sich Eila für ein schwarzes Kleid mit hohem Kragen entschieden.
00:05:08: Wenn man dem Frühlingswetter nicht so trauen kann, zieht sie sich noch ein schwarzes Cape über.
00:05:13: Zweispritzer Parfüm rechts und links, dann schnappt sie sich ihre Handtasche... ...und bleibt vor der Tür nochmal kurz stehen!
00:05:23: Ich will jetzt kurz einem Gebet in mir sprechen.
00:05:26: Die ist nicht gleich nochmal übrig.
00:05:29: Eila neigt leicht den Kopf als er die Augen schließt und ein stilles Gebet spricht.
00:05:34: Nach ein paar Sekunden öffnen sie die Augen wieder und schreitet mit entschlossenen Blick aus der Wohnung.
00:05:46: Sie sei keine Vorzeigemuslimen, sagt Eiler später aber eine gläubige Muslimin sei sie schon.
00:05:53: Sie betet oft wenn große oder kleine Ereignisse anstehen Wenn sie Angst hat oder aufgeregt
00:05:59: ist,
00:06:00: wenn ein anstrengender Tag bei der Arbeit anliegt oder eine lange Reise dann betet sie dafür dass sie sicher ankommt.
00:06:08: Es ist dieses Gefühl
00:06:10: der Sicherheit,
00:06:11: mit dem die meisten von uns ganz selbstverständlich durch den Alltag gehen.
00:06:16: Wir drängen uns durch den Morgenrommel zur Arbeit, kaufen im Supermarkt ein oder warten an U-Bahn-Stationen ohne uns Gedanken zu machen das etwas passieren könnte.
00:06:28: Bei Eila ist es nicht so.
00:06:31: Ihr wurde diese Sicherheit genommen.
00:06:35: Die Angst wurde ihr ständiger begleiter.
00:06:38: Mit der U-Bahn konnte sie lange nicht fahren und ist deshalb jeden Morgen zur Arbeit gelaufen.
00:06:44: Und die Angst ist auch jetzt da, als sie die Treppen zu U-bahnstationen runtersteigt.
00:07:01: Und dann kommt schon die U-
00:07:02: Bahn.
00:07:17: Eiler schaut sich kurz um Sie geht an einigen Leuten vorbei und setzt sich dann zu einer Frau ans Fenster.
00:07:25: Seit jener Nacht denkt
00:07:26: sie, dass
00:07:27: jeder fremde Mann
00:07:29: auch
00:07:29: ein potentieller Täter sein könnte – der große Typ mit der Cap ganz hinten im Abteil oder einer von der Jungsgruppe die vorhin am Bahnsteig gewartet hat.
00:07:41: Schließlich war ein Mann beteiligt dem sie vertraut hat….
00:07:45: Und vom anderen wusste sie ja lange nicht wie er aussieht weil der eine Sturmhaube getragen hat.
00:07:50: Das bedeutet, bis er gefasst wurde
00:07:53: hätte es jeder
00:07:55: auf der Straße sein
00:07:56: können.
00:07:57: Auf der Strasse am helligen Tag wenn da Menschen sind dann geht's eigentlich.
00:08:02: aber wenn irgendjemand mich mit seinen Blicken mehr als einmal anvisiert dann denke ich mir so schnell weg hier oder Handy rausholen und anfangen Video zu machen weil der wirklich jetzt töten kommt.
00:08:12: natürlich kann ich das jetzt identifizieren um nicht regulieren
00:08:20: Und kurz vor neun ist sie da.
00:08:23: Die Turmstraße erwacht langsam zum Leben, Immesbesitzer schleppen die Morgenlieferung Brot und Gemüse in die Läden.
00:08:30: Zwischen dem Strahlen der Morgensonne regt sich der pompöse Turm des Kriminalgerichts Moabit in die Höhe.
00:08:37: Es ist ein prachtvoller Barockbau.
00:08:40: Über dreihundert Richter und Staatsanwältinnen, VerteidigerInnen und Nebenkläger verhandeln hier tagtäglich über das Schicksal von Betroffenen und Angeklagten.
00:08:51: Und gleich verhandlen sie auch wie die Geschichte von Eila ausgeht.
00:08:57: Ich frosse dich eigentlich,
00:08:58: wenn du jetzt so ... Ich dachte ich freu mich mehr weil ich muss sagen ich bin ein bisschen angespannt und hab Angst wie es sein wird, weil die letzten Mal habe ich auch auf eine Art reagiert, die ich gar nicht so kommen sehe.
00:09:11: Ich dachte, ich bin lange über den Punkt hinweg, wo wir drehen kommen, aber allein schon nachdem ich heute aufgestanden bin, habe ich fünfmal angefangen zu
00:09:17: heulen.".
00:09:17: Der Gerichtsprozess ist nicht öffentlich – weil der zweite Täter zur Tatzeit noch minderjährig war.
00:09:24: Deshalb können wir Eiler nicht mit in den Gerichtssaal begleiten.
00:09:28: An einer Straßenkreuzung vor dem Eingang sagt sie uns deshalb, dass sie von hier alleine weitergehen wird.
00:09:36: Dann laufe ich jetzt mal dahin und wir hören Seen sprechen uns später.
00:09:41: Es ist fast die gleiche Stelle, an der sie vor genau einem Jahr im März twenty-fünfundzwanzig stand.
00:09:48: Zur Urteilsverkündung des ersten Täters Merth.
00:10:11: Sie schaut nochmal lächelnd in den blauen Himmel so als genieße sie wie die Sonne auf ihr Gesicht runterstrahlt.
00:10:18: dann umfasst Eiler ihre Tasche überquert die Straße und öffnet die schweren, fazierten Tore zum Kriminalgericht.
00:10:26: Sie zeigt ihre Vorladung vor und passiert die Sicherheitskontrolle.
00:10:31: Das Klackerne echt zu ihrer Schritte schaltet durch die riesige Eingangshalle.
00:10:35: Über ihr hoch oben am Torbogen wacht eine gemeißelte Justizier, die ihrem Zeigefinger- und Mittelfinger ihrer rechten Hand zum Schwur erhoben hat.
00:10:44: Dort steht ... Mit dem verklingenen Echo verschwindet einer in den verzweigten Gängen des Gerichts.
00:10:55: Mit jedem Schritt nähert sie sich der Entscheidung, die ihr Gerechtigkeit einbringen könnte und vielleicht auch etwas
00:11:02: Frieden.
00:11:10: Mein Name ist Lynschitze
00:11:12: Und ich bin Leonie Barnesch und das ist Tiefe Spuren – sechs Stunden Eine Recherche von auf X Productions Veröffentlicht bei Mord of X. Du hörst die zweite von insgesamt zwei Folgen.
00:11:26: Danach geht es auf diesem Kanal ganz normal mit Mord of X weiter.
00:11:31: Tiefe Spuren sind Spezialfolge von Mordof X, in dem wir aufwendige Recherchen erzählen.
00:11:36: Ihr werdet die Protagonistinnen und Protagonisten der Fälle zum Teil selbst hören.
00:11:42: Und wir sind vor Ort auf Recherche... ...auf ihren Spuren!
00:11:48: Absolut entsetzt davon wie der Täter aussieht ist einfach ein kleines Kind.
00:11:53: Ich bin die ganze Zeit ins Gesicht geschaut, jetzt nicht
00:11:56: einmal
00:11:56: sich getraut mir in die Augen zu schauen.
00:12:01: Jetzt sitzt ihr alle vor meinen Akten und ihr seht alles passiert.
00:12:04: Was macht ihr damit?
00:12:05: Es geht niemanden
00:12:06: was an!
00:12:06: Wir haben deshalb dem Berliner Grün einen Fragenkatalog geschickt.
00:12:10: Dieses Ende sein Anfang.
00:12:48: Gehen wir noch mal zurück zu Tag eins der Verhandlung drei Wochen vorher.
00:12:54: Der Prozess ist ja nicht öffentlich.
00:12:56: Also schickt uns Eila zu jedem Verhandlungstag eine Sprachnachricht, um uns auf dem Laufenden zu halten.
00:13:03: Gerade ist sie auf dem Weg zum Gericht, wo sie zum ersten Mal das Gesicht ihres Wergewaltigers sehen wird.
00:13:11: Während Merth ja nach der Tat Nacht schnell gefasst
00:13:13: wurde
00:13:14: blieb sein Komplize lange unentdeckt.
00:13:20: Guten Morgen ihr beiden!
00:13:22: Ich hoffe man hört mich jetzt hier bisschen laut.
00:13:26: ich lauf grad von der U-Bahn zum Gerichtsgebäude und habe ein Kaffee in der Hand.
00:13:31: Es schneit!
00:13:35: Bin schon nervös, muss vor dein letztes Jahr denken als ich zur Gerichtshandlung kam weil da hab' ich mich nicht getraut alleine hinzukommen.
00:13:46: Meine Anwältin hat mich geholt und mich auch wieder weggebracht aber diesmal geht das eigentlich ganz gut.
00:14:00: Ich hoffe, der ist noch nicht da und ich kann da erst mal alleine in dem Saal sitzen.
00:14:06: Oder dass er erst kommt wenn die Anwendchen da
00:14:07: sind.".
00:14:09: Eigentlich hätte es sehr einfach sein können.
00:14:13: Anfangs hieß es das Merdvorgericht aussagen würde wer sein Komplize war.
00:14:19: Das hatte dann aber doch nicht gemacht.
00:14:24: Als angeklagter darf er sowieso schweigen Also müssen die Ermittler den zweiten Täter anders identifizieren.
00:14:31: Die Polizei wertet nach Merz Festnahme sein Handy aus und findet eine unbekannte Telefonnummer, die auch schon in der Tat nach zum Einsatz kam.
00:14:41: Diese Nummer hat auch vor- und nach der Verhaftung von Merz immer wieder versucht ihn zu erreichen.
00:14:48: Sie könnte also zum zweiten Täter – damit zu Eilers vergewaltiger führen!
00:14:55: Die Beamten fragen natürlich erst mal beim Anbieter nach.
00:14:58: Schnell wird aber klar dass hinter der Nummer ein Fake-Name steckt.
00:15:03: Aber sie können einen sehen, mit wem die Nummer Kontakt hatte – das einmal mehr hat, mit dem der Kontakt zur Tatzeit besonders häufig war und nach der Festnahme endete.
00:15:15: Eine weitere Verbindung führt zu einem Polizeibekarten Hela aus Berlin.
00:15:20: Der erzählte von einem kurzen Gespräch, dass er mit dem Mann hinter der gesuchten Nummer hatte.
00:15:26: Der wollte dem Hela zwei Handys verkaufen.
00:15:29: Dazu kam es aber nie.
00:15:32: Ein Name kann der Hela der Polizei nicht nennen, nur wie er die Person damals eingespeichert hat – Sonnenallee.
00:15:41: Von den restlichen Telefonkontakten sind drei Leute interessant, die mit der Person hinter Sonnenalle in Verbindung waren.
00:15:49: Diese Leute könnten mit dem gesuchten Täter auch befreundet sein!
00:15:54: Das heißt, die Ermittler können nicht einfach so auf die Leute zugehen und sie befragen weil sie Sonnenallee waren und auch mögliche Beweismittel von den Handys löschen könnten.
00:16:06: Was die Ermittler also brauchen, ist ein Überraschungsmoment.
00:16:10: Der Plan ist nun bei diesen drei Personen zeitgleich zuzuschlagen – also ihre Wohnung zu durchsuchen und ihre Handys zu Beschlagnahmen.
00:16:21: Wenn einer von ihnen die Person hinter Sonnenalle mit echten Namen eingespeichert hat, könnten Sie so den Täter identifizieren!
00:16:29: An einem Mittwoch im Mai, um sechs Uhr morgens greifen die Ermittler an drei verschiedenen Orten in Berlin
00:16:39: zu.
00:16:45: Die ersten beiden Personen bringen die Polizei nicht weiter.
00:16:49: Bei der dritten ist das anders.
00:16:52: Es ist eine junge Frau.
00:16:54: Sie sagt den Beamten dass sie nichts mit der Sache zu tun habe.
00:16:58: Die haben aber den Eindruck, dass sie mehr weiß.
00:17:03: lässt die Polizisten dann aber doch ihr Handy durchsehen.
00:17:08: Dabei entdecken sie einen interessanten Chat-Verlauf.
00:17:12: Etwa ein Monat vor der Tat chattet die Zeugen mit der gesuchten Nummer, aber anscheinend ist das nicht der unbekannte Täter, mit dem sie da schreibt – sondern Merth!
00:17:25: Es geht um ein Treffen, sie fragt «mit wem kommst du?» und er antwortet «mit Hakim von letztens.
00:17:32: den kennt ihr schon».
00:17:35: Die Unterhaltung endet hier erstmal.
00:17:38: Aber gleich darauf kriegt sie eine Nachricht von einer neuen Nummer, die kennt sie selbst nicht und fragt erst mal wer da ist.
00:17:46: Er antwortet – Ich bin's Merth!
00:17:49: Es ist jetzt etwas kompliziert aber für die Polizei ist das ein wichtiger Hinweis.
00:17:55: Sie schlussfolgern Erstens – Merth hat beide Nummern benutzt.
00:18:00: Zweitens Beides SIM-Karten sind vermutlich im selben Handy.
00:18:06: Und drittens, dieses Handy hat Mert irgendwann für die Tat dem unbekannten Komplizen gegeben und diese zweite Nummer ist den Polizisten tatsächlich schon mal aufgefallen.
00:18:18: Kurz nach der Festnahme von Mert wurde auch die Wohnung seiner Familie durchsucht.
00:18:24: Während die Polizistin zugange waren, wurde sein Stiefvater von dieser neuen Nummer angerufen.
00:18:31: In seinem Handy war die Nummer als Merth eingeschweichert.
00:18:36: Der Mann am anderen Ende meldete sich aber als Hakim, auf die Frage woher er das Handy habe sagte er dass Merth es ihm gegeben hat und anscheinend wusste der Anrufer auch nicht dass da gerade eine Durchsuchung stattfindet denn als Merz Mutter darauf ins Handy gefragt hat was mit Merth passiert ist um warum die Polizei hier in der Wohnung steht wurde es auf einmal kurz still.
00:19:02: Er fragte noch mal nach, ob da wirklich die Polizei vor Ort ist?
00:19:06: Dann
00:19:07: legte er auf!
00:19:13: Es war reiner Zufall – aber mit dieser Situation waren sich die Polizisten jetzt sicher.
00:19:20: Der unbekannte Täter hat Merz Stiefvater damals angerufen und damit haben sie einen Namen.
00:19:27: Haki Und die Polizei findet tatsächlich ein Hakim in Merze umfeld der ins Täterprofil passt.
00:19:34: Ende September, zwei-tausendfünfundzwanzig rückt deshalb eine Mannschaft aus mehr als zehn Uniformierten nach Berlin-Neukölln aus.
00:19:41: Hakim wohnt hier mit seiner Mutter und drei Geschwistern – es ist sechs Uhr morgens, die sind alle noch im Bett, als plötzlich die Eingangstür gewaltsam aufgebrochen wird.
00:19:51: Hakib wirkt abgeklärt, als die Beamten ihm den Tatvorwurf erläutern.
00:19:56: Sie nehmen eine Speichelprobe und schicken sie per Allverfahren ins Labor.
00:20:00: In Eilers Wohnung wurde ein Taschentuch mit Sperma gefunden, das vom maskierten Unbekannten stammte.
00:20:07: Nur wenig später kommt das Ergebnis – es ist ein Match!
00:20:11: Zwei Tage später wird Hakim auf der Straße verhaftet.
00:20:15: Bei der Festnahme hat er drei Handys und einen Tausend Fünfzig Euro in Bar dabei.
00:20:21: Das Geld hatte Hakim als Anzahlung für sein Verteidiger vorbereitet, der schon auf dem Weg zu ihm war.
00:20:40: Und jetzt….
00:20:41: Knapp ein halbes Jahr nach der Festnahme sieht Eila endlich das Gesicht des Mannes, der sie überfallen und vergewaltigt hat.
00:20:49: Nach dem ersten Prozesstag schickt sie wieder eine Sprachnachricht und erzählt wie der Moment für sie war.
00:20:56: Ich dachte es wird viel schlimmer.
00:20:58: weiß nicht so schlimm.
00:20:58: ich habe es überlebt bin auch nicht in Obenmacht gefallen als ich das Gesicht gesehen habe.
00:21:03: Ich bin absolut entsetzt davon wie der Täter aussieht sei kein kleines Kind ist einfach ein kleines Kind, der sieht aus wie zwölf oder so.
00:21:15: Also wenn man den draußen sehen würde, man würde dem das niemals zutrauen und ich bin wirklich aus dem Staunen nicht rausgekommen.
00:21:23: Ich bin die ganze Zeit ins Gesicht geschaut, jetzt nicht einmal sich getraut mir in die Augen zu schauen.
00:21:30: Genau!
00:21:32: Dann war es das für heute.
00:21:34: erstmal von mir... Und wenn ich mich morgen nicht ganz so schlecht fühle dann werde ich morgen weiter Bericht erstatten.
00:21:43: Es war ein recht kurzer erster Tag für Eila.
00:21:46: Sie war heute nur Zuschauerin.
00:21:49: Bevor der Angeklagte seine Aussage gemacht hat, sollte sie den Raum verlassen.
00:21:54: Das hat den Grund, dass sie von seiner Aussage nicht beeinflusst werden soll.
00:21:57: Denn am nächsten Tag wird Eila selbst sprechen und ihre Geschichte erneut erzählen.
00:22:04: Hallo ihr zwei!
00:22:06: Sorry, dass ich mich gestern nicht mehr gemeldet habe.
00:22:11: habe ich da noch so ein bisschen funktioniert und dann kam es aber doch wie ein Hammer über mich, weil das irgendwie nochmal ja besonders verstörend ist, nochmal das ganze Recapitulieren zu lassen in dem Wissen welche Person das ist was das für eine Person ist.
00:22:25: Und dass die einfach wirklich ein Kind ist und wie ein Kind aussieht und nicht diese gefährliche Person, die ich im Kopf hatte vor der ich bis heute irgendwie bzw.
00:22:38: bis gestern irgendwie voll Angst hatte.
00:22:42: Mir die Zeit genommen und wohl gehabt habe ich auch sehr müde.
00:22:45: Und heute ging es mir nicht so gut, weil ich musste das Ganze wieder erzählen vor diesem Tribunal.
00:22:54: Bin auch geradeaus von der
00:22:55: Verhandlung.".
00:22:58: Auch nach dem zweiten Prozesstag bekommen wir wieder eine Sprachnachricht.
00:23:02: Determinen ist
00:23:03: gerade vorbei!
00:23:05: Eiler musste heute selbst aussagen und im Gericht erneut von der Tat Nacht erzählen.
00:23:11: Das hat sie schon so oft gemacht, dass sie sich fast schon dran gewöhnt hat", sagt sie.
00:23:17: Aber da ist ein Gefühl an das Sie sich nicht gewöhnten hat – das immer noch an ihr nagt!
00:23:26: Ein Gefühl, das mit Ihrer Aussage
00:23:28: heute wieder kurz hochgekommen
00:23:29: ist.
00:23:30: Nicht die Schuld der Männer sondern Ihre eigene.
00:23:35: Eiler macht sich Vorwürfe.
00:23:37: Hätte sie nicht gedatet wäre das alles nicht
00:23:40: passiert?
00:23:41: Dann wäre diese Nacht nicht geschehen und die Richter und Staatsanwälte könnten sich mit anderen wichtigen Sachen beschäftigen.
00:23:48: Also ist sie doch selbst schuld daran, oder?
00:23:52: Eiler hat lange gebraucht um diese Gefühle besser zu verstehen.
00:23:56: Dabei hat
00:23:57: ihr eine Person besonders geholfen – ihre Rechtsanwältin!
00:24:03: Ja, mein Name ist Eila Öztemir.
00:24:04: Ich bin Rechtsanwältin und bin tatsächlich primär im Steuerrecht- und Wirtschaftsstrafrecht tätig.
00:24:11: Allerdings bin ich dann auch im Bereich der Nebenklage gerade wenn es um Frauen und Kinder geht gerne tätig.
00:24:19: Wir treffen Eila in ihrer Kanzlei in Berlin.
00:24:23: Eila ist auch dabei.
00:24:25: Als nach der Tat die ganzen polizeilichen Termine losgegangen sind hat Eila nach einer Anwälte gesucht.
00:24:38: Sie wollte jemanden, der sie nicht nur vertritt sondern auch versteht.
00:24:43: Als die Anwältin Eilas Nachricht liest meldet sie sich direkt bei ihr.
00:24:48: Also ich werde nie vergessen Ich hatte das noch vor Auge wo wir telefoniert haben weil da war ich noch in der Wohnung meiner Mutter hinten im meinem alten Kinderzimmer und habe versucht dass so.
00:25:00: Ich hab das so in Erinnerung, dass sich die Geschichte runtergerattet haben ohne zu räumen oder sowas.
00:25:06: Und aufgeregt und gespannt war was sie sagen wird weil man weiß ja nicht ob man auf verständnisvolle solidarische Ohren treffe wird oder nicht.
00:25:19: Was mich sehr bewegt hatte in diesem Telefonat war tatsächlich der Umstand den du jetzt auch geschildert hast mehr oder minder wie so ein Roboter runtergeratet hat.
00:25:33: Und das war für mich persönlich, denn irgendwie ist da mehr
00:25:37: dran.".
00:25:38: Einur Esdemir sagt als Nebenklageanwältin ist sie nicht nur als rechtliche Unterstützung da – viel von der Arbeit ist auch psychischer Beistand!
00:25:49: Als die beiden sich getroffen haben, war das erste Thema «Die Sache mit der Schuld».
00:26:00: Also mein eigenes Schulderleben zur Sprache gebracht habe, weil ich zu ihr meinte.
00:26:04: Ich weiß gar nicht warum ich nicht aufgestanden und zur Küche gegangen bin mit einem Messer geholt hab.
00:26:08: Ich weiss gar nicht, warum ich mich nicht einfach demonstrierend auf dem Boden gesetzt habe und gar keine Anweisung gefolgt bin oder warum ich den geantrotet habe als die gesprochen haben.
00:26:18: Und sie war dann auch die erste Person, die dann so ein bisschen gesagt hat aber was sollst du denn machen?
00:26:25: Sie war die erste Person, die mir den Weg gezeigt hat.
00:26:29: Es ist nicht nur in diese Schuld Richtung zu denken, es gibt auch eine andere
00:26:32: Richtung.".
00:26:34: Das ist ganz häufig, dass so in dem Moment wenn man etwas erlebt funktioniert der Körper ja eigentlich nur und der Verstand in irgendeiner Form.
00:26:41: Weil diese Sachen mal über Lebensinstinktchen in uns geweckt wird.
00:26:45: Im Nachgang, wenn man denn tatsächlich in so einer Art Verarbeitungsprozess kommt, lässt man das was passiert, dass ja irgendwie die Hüte passieren?
00:26:52: Man erlebt es ja immer wieder!
00:26:54: Wenn man die, also die Opfer, denn die Bilder am Kopf haben, denken sich Mensch, da war der Täter doch eigentlich, der stand doch kurzen Moment in der Ecke.
00:27:01: Ich hätte doch losbrennen können und irgendein Gegenstand.
00:27:04: Ich hatte doch ganz laut um Hilfe schreien können.
00:27:07: Warum habe ich das nicht gemacht?
00:27:08: Vielleicht hätte mich ja jemand
00:27:09: gehört.".
00:27:10: Und dann kommt man sozusagen in die Rolle wo man sich selbst die Schuld zuweist weil ... Hätte ich anders reagiert wäre dass und das vielleicht nicht passiert.
00:27:18: Also
00:27:19: bin
00:27:19: ich selbst schuld Und da haben wirklich viele Opfer dann auch tatsächlich dran zu nagen.
00:27:24: Dafür ist nochmal diese therapeutische Unterstützung psychologischer enorm wichtig, dass man halt sehen kann, nein du bist hier nicht
00:27:31: schuld.".
00:27:32: Die Anwältin kennt diese Gedanken von vielen Betroffenen.
00:27:36: Man bereut, nicht mehr getan zu haben.
00:27:39: Also überhaupt?
00:27:40: Auch wenn ich nicht mal neigen gesagt hätte was ja so oft getan habe wäre es eine Vergewaltigung gewesen weil dort eine Waffe ist und sie sowieso die ganze Nacht mich... Mir gesagt haben, was ich zu tun habe und mich eingesperrt haben.
00:27:52: Sie haben die Tür abgeschlossen, sie haben die Gardinen
00:27:54: zugezogen.".
00:27:56: Erstige Spreche mit den Polizistinnen und ein nur erste Mier bestätigen Eiler dass sie in diesem Moment das Maximum an Verteidigung rausgeholt hat.
00:28:06: Als der Täter sie zum Oral-Sex zwingen wollte, hat sie immer wieder versucht ihn wegzudrücken sich weggedreht Und auch gesagt, dass sie das nicht will.
00:28:17: Erste Gespräche mit den Polizistinnen und Einuhr, Östämier bestätigen Eiler dass sie in diesem Moment das Maximum an Verteidigung rausgeholt hat.
00:28:26: Oft liegt genau hier
00:28:28: das juristische Problem.
00:28:30: Paragraf onehundsebzehn Strafgesetzbuch regelt sexuellen Übergriff, sexuelle Nötigungen und Vergewaltigung.
00:28:38: Darin heißt es verkürzt Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexueller Handlungen an dieser Person vornimmt.
00:28:49: Allerdings ist das in der Praxis nicht immer so leicht zu beweisen.
00:29:07: Also das ist denn Aufgabe des Gerichts, das dann aufzuklären was natürlich auch im Vierenkonstellation ein bisschen schwierig ist.
00:29:14: Weil, sagen wir mal eine Vergewaltigung ist ja jetzt in der Regel kein Delikt, was auf öffentlichem Straßenland abläuft wo jetzt eine Frau auf dem Bürgerscheid liegt und Hilfe schreit und fünfzig Passanten drum herum gucken was passiert da und als Zeugen fungieren sondern das ist ja ein Delikt was denn
00:29:29: irgendwo
00:29:30: alleine zu Hause im Hotel Busch wie auch immer, wo man denn da Opfer wird.
00:29:36: Da gibt es ja verschiedene leider zu viele Konstellationen, wo das passiert und meistens ist es ja so dann haben sie das mutmaßige Opfer an den mutmaßen Täter.
00:29:45: wenn er sagt als Opfer ich wollte nicht der Täter sagt doch die wollte schon Dann haben Sie eine Aussage-Aussage-Konstellation Und dann arbeiten wir mal damit.
00:29:54: Um dieses Problem von Aussage gegen Aussage zumindest etwas zu verbessern hat der Bundestag, das Sexuallstrafrecht verschärft.
00:30:05: Seitdem gilt in Deutschland der Grundsatz Nein heißt Nein.
00:30:10: Die Sache ist nur dass die zweite Person dieses Nein auch als solches erkennen muss Denn erst dann handelt jemand mit Vorsatz gegen dieses Nein.
00:30:23: Andere Länder wie Schweden oder Frankreich haben wiederum festgelegt Nur Ja heisst ja.
00:30:30: Das bedeutet, wenn eine Person dem Sex nicht ausdrücklich zustimmt sondern ihn beispielsweise passiv über sich ergehen lässt ist das eine Vergewaltigung.
00:30:42: Schweigen gilt dabei nicht als Zustimmung.
00:30:46: Wir fragen die Anwälte, ob sie das effektiver findet?
00:30:50: Ich denke ja heißt Ja denn müssen Sie ja konkret zum Ausdruck bringen und in irgendeiner Form dass Sie damit einverstanden
00:30:57: sind
00:30:58: Ja,
00:30:58: sodass eigentlich von Anfang an dann klar ist sie möchte oder sie will nicht.
00:31:02: Weil dieses Jahr ist natürlich einfacher.
00:31:04: also wenn ich jetzt ja sage kann es ja nicht plötzlich Nein heißen oder Jajn heißen aber dann haben Sie ja trotzdem ein weitergehendes Problem.
00:31:12: Wenn ich jetzt sage ja ich bin damit einverstanden und dann kommt das zu dem Akkubieren des Aktes ist das Opfer und sagt, ich möchte jetzt nicht mehr.
00:31:20: Und wieder ruft sein ja?
00:31:21: Dann haben sie ja wieder das Problem.
00:31:23: also ich denke nicht man kann pauschal dieses das eine ist besser oder das andere ist besser weil wir hier auch in einem System also dieses Jahr heißt ja dann verkehren wie auch die Beweislast so denn dass als wenn der Angeklagte hier
00:31:37: beweisen
00:31:37: müsste Sie wollte es, ja.
00:31:40: Und wir sind immer noch in dem Rechtsstaat Gott sei Dank und die Staatsanwaltschaft denn das Ganze beweisen
00:31:45: muss.".
00:31:46: In der Eilersfall muss das zum Glück nicht mehr bewiesen werden.
00:31:50: Der Angeklagte hat die Tat weitgehend gestanden Es geht nur um Details, die der Strafmaß bestimmen Auch wenn's erst mal überraschen klingt.
00:32:01: Für Eiler selbst ist die Vergewaltigung nicht das Schlimmste an dieser Nacht
00:32:06: Da und Menschen da draußen würden jetzt an dieser Geschichte den Part mit der Vergewaltigung wirklich am schrecklichsten finden.
00:32:13: Aber für mich ist das Schrecklichste, dieser erste Schreck und dieser Überfall.
00:32:16: Weil als diese Vergewaltung war nicht dass die... Also auch schrecklig aber ich war da schon sechs Stunden mit denen und ich war dann schon komplett erschöpft Und ich habe da schon sechs Stunden lang alles gemacht was sie wollten.
00:32:29: Diese Nacht ist nicht spurlos an Eila vorbeigegangen und neben der Schuld spürt sie am dritten Verhandlungstag noch ein weiteres Gefühl.
00:32:39: Scham!
00:32:47: Es ist der dritte Prozesttag, heute seien die Polizistinnen und Polizisten aus, die Eiler damals betreut und später die Lockvogel-Aktion durchgeführt haben.
00:32:58: Doch es geht nicht nur um den Zugriff sondern auch um private Einblicke in Eilers Leben.
00:33:08: Hallo Redsparl, jetzt mein zweiter Versuch diese Sparnotis aufzuleben.
00:33:13: Ich musste mich ein bisschen zusammenreißen und beruhigen.
00:33:19: Bin gerade raus von dem Gerichtsgebäude und laufe hier die Turmstraße runter, die Sonne scheint.
00:33:27: Und heute ist da der dritte Prozesttag an dem die Polizeibeamtinnen und Beamten ermittelnden Aussagen.
00:33:36: Und ich dachte, ich werde einfach locker flockig herkommen in Erführungszeichen und mir das anhören weil es mich interessiert aber Nachdem der Erste kam und dann noch die Zweite konnte ich nicht mehr.
00:33:54: Es wurde dann eine Pause eingelegt, dann bin ich gegangen weil ich das einfach nicht hören kann was sie erzählen.
00:33:59: Ja die reden also dieses ganze Tribunal was da sitzt redet darüber wie meine Wohnung war, was Sie für einen Eindruck von mir hatten an Sie gekommen sind, was sie gemacht haben, was ich denen erzählt habe.
00:34:11: es hat dann auch irgendwas rauszuholen ist als ob doch ein Funken Lüge stecken würde Einfach nur seinen Job macht und alle anderen auch, aber ich konnte es heute einfach nicht hören.
00:34:21: Und deswegen bin ich gegangen weil das ja die ganze Zeit so weitergehen wird.
00:34:25: Die werden alle über mich reden und sie sind alle maximal unbetroffen, weil's denen nicht passiert ist.
00:34:30: Ich kenne ihr alle nicht mal und Sie wissen so viel über mich!
00:34:34: Jetzt sitzt ihr alle vor meinen Akten, ihr seht alle was passiert ist... Was macht ihr jetzt damit?
00:34:39: Das geht niemanden etwas an.
00:34:41: Ich würde jetzt hier ein bisschen weiterspazieren und dann irgendwas machen, was ...
00:34:59: Eila merkt jetzt noch mal, wie viele Leute von ihrem Schicksal wissen.
00:35:05: Wie viele Details sie kennen?
00:35:07: Dabei sind es nicht nur die Beteiligten des Verfahrens.
00:35:12: Ihre Geschichte ist im Rampenlicht – weil die Presse sie dorthin gezehrt hat!
00:35:18: Zum März-Prozess, im Frühjahr.
00:35:21: Bringt die Bildzeitung ein Artikel raus.
00:35:23: Überschrift Berliner Grünpolitikerin tappt in Sexfalle.
00:35:28: Eiler wird darin mit dem Namen Eva anonymisiert – was natürlich gleich das Bild einer weiß gelesenen Frau gegen einen Mann mit Migrationshintergrund aufmacht.
00:35:38: Merth wird darinnen als Toyboy bezeichnet, der sie in die Falle lockt.
00:35:43: Weiter heißt es, dass Merth beim Kennenlernen siebzehn war und Sie Fast doppelt so alt wie ihr.
00:35:49: Auch das ist verzehrt!
00:36:08: Aber zu spät.
00:36:10: Weitere News-Portale und Boulevardblätter springen darauf an... Im ursprünglichen Artikel steht auch Eilas Jobposition, mit der sie identifiziert werden könnte.
00:36:20: Dabei war diese Information für den Internet-Mob nicht entscheidend.
00:36:25: Der Brandbeschleuniger war ihre Parteizugehörigkeit.
00:36:30: Ich wusste nicht wie ich mit der Presse umgehe die ganze Zeit eine Umgrüne schreibt und deswegen dachte ich natürlich die wissen wie man damit umgeht.
00:36:37: Ich frag meine Partei bei meiner Anwältin weiß das nicht.
00:36:40: Die Polizei kann mir da auch nicht helfen.
00:36:42: Wer der Artikel ohne Grüner, dann hätte ich mich nicht ansiegewankt.
00:36:47: Aber
00:36:48: es gibt nicht
00:36:49: einen Kommentar oder Artikel oder ein Ding was ohne Grüne ist.
00:36:52: Es geht immer um
00:36:53: Grünen!
00:37:02: Eiler sagt nach der Tat habe sie sich bei der Arbeit krank gemeldet und auch einer Parteikollegin Bescheid gesagt dass sie erst mal fehlen werde allerdings aber Eiler damals nur erwähnt das überfallen wurde und deshalb drei Monate in die Klinik gehe.
00:37:19: Vom Bildartikel erfährt sie selbst erst, als sie frisch wieder draußen ist und einige Mails in ihrem Postfach entdeckt – ob Sie das im Bildarticle sei.
00:37:30: Zur gleichen Zeit habe eine Parteikollegin die Landesvorsitzende der Berliner Grünen Nina Starr über den Artikel informiert mit der Info dass es daran um Eiler geht.
00:37:41: Eiler sagt, das sei ohne Rücksprache mit ihr passiert!
00:37:46: Damit weiß jetzt die höchste Instanz im Landesverband über die Tat Bescheid.
00:37:52: Also wendet sich Eila direkt an sie.
00:37:56: Die soll ihr gesagt haben, Sie können nicht viel tun und soll ihr stattdessen geraten haben, Eila solle sich am besten einen Anwalt suchen?
00:38:04: Eila sagt diese Reaktion habe sie irritiert.
00:38:08: Sie habe sich mehr Unterstützung erhofft.
00:38:12: Gleich nach dem Gespräch kontaktiert sie ein Medienanwalt der den Fall übernimmt.
00:38:17: Mit seiner Hilfe können einige Details wie ihre Position aus dem Artikel rausgenommen werden.
00:38:22: Der Text bleibt aber online.
00:38:24: Einige Monate später, also Ende September im Jahr zwei Tausend fünfundzwanzig, bekommt Eila Neuigkeiten zu Hakeem.
00:38:32: Zeit hinweg kamen die Infos des Dienerspurhan zum zweiten Täter und ich dachte mir so okay dann muss ich mich jetzt vorbereiten dass es wieder kommt mit der Öffentlichkeit.
00:38:42: Weil Eila Angst hat, dass mit dem neuen Prozess auch wieder der Medienrommel losgeht, wendet sie sich erneut an die Landesvorsitzende.
00:38:50: Sie fragt auch andere Leute in der Partei nach Hilfe.
00:38:53: Das belegen Chatverläufe von Eila, die uns vorliegen.
00:38:56: Ich habe den ganzen Sommer über versucht mit der Landesvorschutzenden zu reden Aber sie hat mich immer wieder versetzt, vertröstet und so weiter.
00:39:05: Dann hab ich hier im September geschrieben So ey!
00:39:09: Ich hoffe die Presse ist in Schach zu reichen wenn es soweit ist.
00:39:14: Sie hat noch mit dem Daumen hoch reagiert.
00:39:16: Schließlich sei es zu einem weiteren Treffen gekommen, bei dem Eiler dem Landesvorsitz erklärt habe dass sie sich Hilfe bei zwei Punkten wünscht.
00:39:26: Einmal Hilfe mit den Medien zum Beispiel finanzielle Unterstützung für den Medienanwalt und zweitens Hilfe innerhalb der Partei.
00:39:36: Dann
00:39:36: kam aber nichts mehr und ich meinte zu denen ich brauche Unterstützung in der Partie ...sichtbar zu sein, gleichgestellt zu sein.
00:39:43: Ich schaffe das alleine nicht bis dahin!
00:39:45: Ich brauche Hilfe wie ich damit umgehe wenn die Presse wieder kommt... ...ich brauche auch Hilfe wie sich damit umgehen und ich möchte jetzt nicht aufgeben.
00:39:52: Ich habe so viel dafür getan und wenn ich jetzt das alles aufgebe dann haben die Täter mir mein ganzes Leben geblieben.
00:39:59: also alles was mich ausmacht fällt so
00:40:00: weg.".
00:40:02: Neben Nina Starr ist nun auch der Co-Vorsitzende Filmon Girmai im Bilder.
00:40:06: Sie haben sich mit Eila zusammengesetzt ihr zugehört Möglichkeiten besprochen und im Anschluss auch eine Chatgruppe mit Eiler gegründet, um in Kontakt zu bleiben.
00:40:17: Mit Eilers Einverständnis haben sie auch eine Medienberatung kontaktiert.
00:40:40: Dann haben Sie mir kurz das Ergebnis mitgeteilt, dass sie mir raten nichts zu tun.
00:40:44: Weil man die Berichterstattung nicht beeinflussen
00:40:46: kann.".
00:40:46: Eiler
00:40:47: ist enttäuscht – nicht nur über den zwischenmenschlichen Umgang sondern weil sie die Politik und damit auch ihre Partei in der Verantwortung sieht.
00:40:56: Schließlich sind die Grünen eine Partei mit feministischen Grundsatz.
00:41:00: Sie haben als erste Partei die Frauenquote eingeführt.
00:41:03: Mindestens die Hälfte aller Ämter und Mandate stehen Frauen zu!
00:41:08: Und beim Thema Gewalt gegen Frauen positionieren sie sich deutlich.
00:41:12: Als der Spiegel vor kurzem über die Vorwürfe von Colleen Fernandez gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen berichtet, drängen die Grünen mit den Linken auf schärfere Gesetze gegen digitale Gewalt.
00:41:24: Der Bundesvorsitzende der Grünen Felix Bannerczak schreibt bei LinkedIn
00:41:37: Ja, das politische ... Das klingt so als ob es um ein Parteibla-bla geht.
00:41:43: Aber das Politische wirkt sich ja wirklich über lang und kurz auf unser Zusammenleben aus.
00:41:48: Und die Frage ist was macht die Politik dafür?
00:41:51: Dass in der Presse nicht tollboi steht!
00:41:53: Wann habt ihr teugöl gelesen?
00:41:55: Was macht diepolitik dafür dass auf Twitter ich nichts so gelegt werden
00:41:59: kann?!
00:42:00: Und was macht Die Politik dafür... kommt und mich damit schämen will, dass ich Sex hatte.
00:42:08: Und hinterher mit mir Sex haben will sich aber nicht dafür
00:42:10: schämt.".
00:42:11: Das ist das Problem!
00:42:13: Die Politik ist in der Pflicht hier ganz groß was zu machen gegen das Patriarchat und ich spüre hier durch diesen Überfall sehr starkes Patriarchate.
00:42:24: weil da haben sich zwei Männer einer hat sich etwas ausgedacht die haben sich Verstärkung geholt sie haben mich ausgeraut, mich vergewaltigt und Sie fanden es Wirklich in der Nacht, als ich da saß – die haben sogar teilweise ziemlich ausgelacht.
00:42:36: Die fanden das völlig normal!
00:42:38: Man hört an Eilaststimme, dass bei ihr viel Unmut herrscht.
00:42:41: Wir haben deshalb dem Berliner Grün einen Fragenkatalog geschickt um ihre Perspektive zu hören.
00:42:48: Eine Stunde vor Ablauf der Antwort frisst meldet sich die Pressesprecherin.
00:42:52: Unser Reporterteam verabredet sich für den nächsten Tag mit ihnen.
00:43:03: Ja hallo Mavikou?
00:43:05: Ja
00:43:05: guten Morgen.
00:43:06: hei Frau
00:43:06: Starr.
00:43:07: Guten
00:43:07: Morgen.
00:43:08: Ja, danke dass Sie sich die Zeit nehmen.
00:43:12: Wir
00:43:13: sprechen mit Nina Starr also mit einer der beiden Landesvorsitzenden der Berliner Grünen.
00:43:19: sie betont am Anfang
00:43:20: das es
00:43:20: ihr wichtig sei das Thema persönlich zu besprechen statt zu melden.
00:43:25: Das Gespräch wird eineinhalb Stunden dauern.
00:43:29: Eila fragt ja nach finanzieller Unterstützung für den Medienanwalt um gegen die Berichterstattung der Bild vorzugehen.
00:43:37: Dazu sagt Starr, sie sei
00:43:39: auch
00:43:39: fassungslos gewesen als sie den Artikel gelesen hat und habe diesen Schritt von Eila sehr gut verstehen können.
00:43:46: Es kame der Vergangenheit schon vor dass Parteimitglieder im Rahmen ihrer Tätigkeit in Rechtsstreitigkeiten gerieten – und diese auch seitens der Partei finanziell unterstützt wurden.
00:43:57: Dafür gebe es aber
00:43:59: sehr enge Vorgaben!
00:44:01: Der entscheidende Punkt sei ob der Ursprung ein politischen Kontext.
00:44:07: Starr habe sich zu Eilers Fall juristischen Rat eingeholt, der zu dem Schluss kam.
00:44:13: Das sei bei Eiler nicht der Fall, weil die Straftat gegen sie als Privatperson gerichtet war.
00:44:19: Erst
00:44:20: die Berichterstattung
00:44:21: hat ihre Partei zur Gehörigkeit zum Thema gemacht – das habe sie auch so erklärt und die habe darauf auch verständnisvoll reagiert.
00:44:32: Trotzdem sagt Starr Habe sie mit Kolleginnen und Kollegen nach anderen Wegen gesucht?
00:44:38: Sie wissen, wir sind eine feministische
00:44:39: Partei
00:44:40: die diese
00:44:41: Gemapigseksualisierungen
00:44:44: weizigen.
00:44:46: Aus
00:44:46: dem anderen Kontext, der
00:44:48: gerade in den
00:44:48: letzten
00:44:49: Jahren
00:44:49: immer wieder debattiert
00:44:50: hat
00:44:51: und da ist unter unseren Mitfeldern
00:44:53: auch ein extremer
00:44:54: Großolidarum
00:44:56: geht auf finanzieller Art in solchen
00:44:59: Fällen
00:45:00: dann auch über
00:45:00: andere Liege.
00:45:01: im Zweifelsfall
00:45:05: Mit anderen Wegen meint Starr, dass manchmal Parteimitglieder durch Crowdfunding Spenden sammeln.
00:45:12: Dabei muss man allerdings erklären wofür man sammelt.
00:45:16: Das hieße Eilas Erlebnisse schildern.
00:45:20: Dass innerhalb der Partei so öffentlich zu machen habe Eila aber nicht gewollt sagt Starr.
00:45:25: Sie habe auch erst sehr spät erfahren, dass Eila durch die Auseinandersetzungen rund um den Prozess massive finanzielle Einbußen hat.
00:45:34: Für den zweiten Prozess wollte sie eine finanziele Unterstützung nochmal prüfen lassen
00:45:39: und da haben wir ihr auch noch mal signalisiert für den Fall das da nochmal eine Berichterstattung kommt wo Partei nochmal Enger reinbezogen wird, dann prüfen wir auch auf jeden Fall nochmal, ob nicht doch was möglich ist.
00:45:52: Also ich glaube es fehlt da nicht am Willen sondern es fehlt an dem Konstrukt das die rechtliche Möglichkeit eröffnet.
00:46:00: Trotz guten Willen gab es offenbar Missverständnisse.
00:46:03: Starr sagt sie wollen in so einer Situation alles richtig machen.
00:46:08: von einer Freundin habe sie mal den Rat bekommen über Last der Betroffenen die Hoheit.
00:46:13: Deswegen habe sie Eila auch nicht triggern wollen, indem sie oft nachfragt.
00:46:18: Sondern ihr signalisiert ich bin ansprechbar melde dich bitte wenn du etwas brauchst.
00:46:23: Ich hatte das Gefühl die möchte Sie möchte damit so wenig wie möglich zukommen und da fand mein Gefühl vielleicht war das falsch.
00:46:31: Das sage ich ihnen auch ganz ehrlich, ich gucke dann natürlich zurück Und bin auch nicht sicher ob ich alles richtig gemacht habe bzw eher relativ sicher inzwischen dass man an der einen oder anderen Stelle sicher anders hätte agieren können müssen.
00:46:45: Hinterher ist man immer klüger, aber genau mein Gefühl war damals dass sie sagt ich will nicht das noch mehr Leute von erfahren und habe ja dann die gesagt auf zweitranne nachgefragt bei Leuten die mit ihrem Kontakt waren.
00:47:01: wie gesagt um Nähniener lasse sie in Ruhe die kommt gerade wieder auf Gefühle.
00:47:06: Ein Beispiel für ein Missverständnis ist etwa auch die Sache mit der Medienberatung.
00:47:11: Vor Eiler uns kontaktierte, hat sie lange überlegt ob sie ihre Geschichte öffentlich erzählen soll.
00:47:17: Ein großer Schritt der total empowernd sein kann!
00:47:21: Es kann aber auch für noch mehr Wirbel sorgen.
00:47:26: Diese Überlegung hat sie auch im Gespräch mit den beiden Landesvorsitzenden Starr und Giermeiger äußert.
00:47:32: Diese haben Eiler daraufhin gesagt es ein Beratungsgespräch mit einer Medienagentur helfen könne die Sie kennen.
00:47:39: Eila sagte ja vorhin, dass sie selbst bei diesem Beratungsgespräch dann gar nicht dabei war und nur die Ergebnisse erzählt bekommen habe.
00:47:48: Starr sagt nun das es anders gelaufen sei.
00:47:51: Sie und ihr Co-Vorsitzner hätten die Agentur mit Eilas Einverständnis kontaktiert und ihn den Fall grob geschildert – Die Agentur sollte sich dann be Eila melden und die Details besprechen was sie aber aus unbekannten Gründen nicht gemacht haben.
00:48:08: Dass es zu diesem Gespräch nicht kam, haben die Landesvorsitzenden erst kürzlich erfahren.
00:48:14: Mit dem Wissen von heute, sagt Nina Starr, hätte sie einiges anders
00:48:37: gemacht.".
00:48:39: Ich bin ein Mensch, der mega genervt ist.
00:48:41: Wenn er gefragt wird wie geht es dir?
00:48:44: Und hat eben mit einer Freundin gesprochen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht hat und ja genauso reagiert.
00:48:53: Er hat auch gesagt, Nina das Schlimmste ist dass sie Worte dauernd gebracht haben Wie geht's dir?
00:48:59: Das ist das wo ich dann.
00:49:01: deshalb ich
00:49:01: mich aus so zurückgehalten habe.
00:49:04: Offensivstich ist sie aber anders als ich an der Stelle und
00:49:07: hätte genau
00:49:08: das gebraucht.
00:49:09: Und das ist was, was ich definitiv anders gemacht hätte mit dem Wissen von heute.
00:49:13: Das ist überhaupt keine
00:49:14: Frage.".
00:49:29: Die geschwungenen Türflügel des Gerichtsalz sind aus schwerem braun Holz.
00:49:34: Rechts auf einer Tafel steht normalerweise welcher Fall verhandelt wird.
00:49:39: Aber heute stehen da keine Klarnamen und Sachverhalte sondern nur ein Zettel mit Noman- und Kürzeln Daneben ein rotes Schild auf dem steht, die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.
00:49:53: Und so sitzen auch vor der Tür einige Menschen, die an diesem vierten und letzten Prozesstag das Ende dieses Fals erwarten.
00:50:02: Vor dem Saal setzt einen Mann mit dunklen Haaren und Bart, der sich mit einem Taschentuch die Augen wischt.
00:50:08: Dazu setzt sich eine Frau, die immer wieder ein Zettel durchliest
00:50:12: –
00:50:13: niemand sagt etwas!
00:50:14: Also hört man nur dumm für Echoes und ab und zu einen Justizmitarbeiter, der pfeifend mit klappernem Schlüsselbund über den braunen Linolium-Boden läuft.
00:50:25: Drinnen im Saal hält zunächst die Staatsanwältin ihr Plädoyer.
00:50:30: Eiler erzählt später wie gut es tut
00:50:33: jetzt
00:50:34: von Seiten des Staates noch
00:50:35: mal zu hören
00:50:36: – wie empörend und entsetzlich diese Verbrechen waren!
00:50:41: Dass sie selbst nicht blauäugig war sondern einfach das Opfer einer lange geplanten und bösen Tat.
00:50:49: Dann spricht ihre Anwältin Ainur Özdemir, sie erzählt von den Narben in Eilas Leben die Veränderungen ihrer Gefühlswelt und Intimsphäre im Privat- und Arbeitsleben dass ihr eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten hat, die auch durch einen behinderten Ausweis anerkannt ist.
00:51:09: Der Verteidiger trägt noch sein Plädoyer vor Dann hat der Angeklagte das letzte Wort.
00:51:15: Er mummelt, dass er sich entschuldigen wolle aber wisse, dass Eila das eh nicht annehmen würde.
00:51:23: Er sieht sie dabei nicht an und dann um elf Uhr neun geht die Tür auf.
00:51:31: Eila hat bereits am Morgen vorgewandt, dass sie in diesem Moment erst mal ihre Ruhe haben und nicht reden möchte.
00:51:39: Das will sie später in der Kanzlei ihrer Anwältin tun.
00:51:43: Also ist es sehr still, als nach und nach die Leute aus dem Saal kommen.
00:51:49: Eilers Blick ist wie versteinert – sie hat die Arme um ihren Körper geschlungen so, als würde sie frieren.
00:51:57: Ihre Anwältin lächelt auf Mundhand und tätscht ihr die Schultern, während sie die Treppen runtergehen, aus dem Gericht in den sonnigen Tag.
00:52:20: Eine Stunde später treffen wir Eila in der Kanzlei wieder.
00:52:25: Jetzt sieht sie ganz anders aus!
00:52:34: Hallo.
00:52:34: Sollen wir das schon mal ... Du, gar kein Problem!
00:52:39: Ich ruhe das bestens
00:52:41: versorgt.
00:52:46: Soll ich mal anfangen zu wie geht's?
00:52:48: Ähm...
00:52:50: Er leistet besser als vorhin im Gerichtssaal und gut dass sich eine Pause hatte um runterzukommen.
00:52:56: Mir war über die Zeichenenick im Gerichtssaal extrem schlecht.
00:53:00: Und ähm... Ich wollte auch teilweise gehen, aber bin dann geblieben.
00:53:06: Weil diese Geschichte nochmal aus Weihperspektiven zu hören von der Staatsanwältin und meiner AnwältInn und vom Verteidiger.
00:53:14: das Trayert extrem.
00:53:16: Und
00:53:17: es bringt den Körper zurück.
00:53:18: Ich müsste mich sehr konzentrieren, auch geistig noch da zu sein.
00:53:21: Aber jetzt geht's wieder und ich bin erleichtert.
00:53:23: Das ist vorbei.
00:53:24: Der Prozess endet mit einem Urteil!
00:53:30: und neun Monaten Jugendhaftstrafe verurteilt.
00:53:34: Einuhe Esdemir sagt, ihre Erfahrung nach sei das ein ordentliches Urteil.
00:53:40: Juristisch ist Eilers Geschichte damit endgültig abgeschlossen.
00:53:45: Sie aber sieht es etwas anders ...
00:54:03: Letztes Jahr nach der Urteilsverkündung mit dem ersten Täter, wo ich auch nicht hingegangen bin, sondern vor dem Gerichtsgebäude auf meiner Anwältin gewartet habe, haben wir uns danach hingesetzt Und ich erinnere mich noch, wie ich zu ihm meine Einung.
00:54:17: Ich will politikerin werden und ich werde
00:54:19: antreten.".
00:54:21: Da hatte ich so den Entschluss gefasst, dass sich nicht aufgebe.
00:54:26: Dieses Ende ist ein Anfang.
00:54:28: Das war ein klarer Beauftrag für mich.
00:54:31: Ob ich den jetzt parteikomitisch austürme, aktivistisch oder nur in mein Privat nehme oder nur einen ehrenansicht auf dachlosen Frauen, das werde ich sehen aber... ...das Kapitel für mich persönlich was es die rustische angeht ist Ende, ich werde mich jetzt vor Gericht höchstwahrscheinlich nicht mehr in welchen Sachen stellen müssen.
00:54:50: Darüber bin ich sehr froh aber... Ich hatte vorher schon für mich selber einen feministischen Auftrag
00:55:00: und
00:55:02: der wurde dadurch eigentlich nur verstärkt.
00:55:04: Ich hätte niemals gedacht dass sich diesen Auftrag aus der betroffenen Perspektive auf diese Art und Weise ausführen werde, aber nun ist das
00:55:10: so.".
00:55:11: Dass sie weiter im Weg in die Politik gehen will hat sie schon vor einem Jahr beschlossen.
00:55:17: Neu ist nur, dass sie ihre eigene Geschichte jetzt nicht mehr als Hindernis sieht.
00:55:22: Sondern als Antrieb.
00:55:23: – Sie möchte sich nicht mehr schämen!
00:55:27: Vor allem in Zeiten, in denen mutige Frauen wie Colleen Fernandez und Giselle Pelicot ihre Geschichte öffentlich machen und fordern das die Scham die Seite wechseln muss.
00:55:39: Also was macht denn Scham?
00:55:41: Scham lässt einen schweigen und wenn man schweigt dann ist die Geschichte… dann geht sie unter, dann bleibt sie umgesehen und dann verändert sich nichts.
00:55:49: Und ja vielleicht schäme ich mich heute noch.
00:55:52: also das ist nicht ganz weg aber ich möchte nicht schweigen und ich möchte diese Geschichte schon gar nicht jemand anderem überlassen.
00:55:59: und wenn ich auch nur einen Müder zu beitragen kann dass irgendein Opfer in Zukunft ein bisschen weniger darunter leiden muss oder ein bisschen mehr vom System unterstützt wird dann würde ich das sehr gerne tun.
00:56:12: Dann habe
00:56:14: So wie Eila jetzt schaut, hat sie den gleichen Blick wie damals als wir sie das erste Mal kennengelernt haben.
00:56:21: Der Blick einer Frau die über ein scharmbahhaftes Thema spricht und die Scham noch in sich trägt.
00:56:29: Natürlich bleibt da auch ein Schatten sagt sie
00:56:34: Weil es sind Geräusche in meiner Wohnung.
00:56:47: In meiner Wohnung könnte eine Person sein mit einer Sturmbodel.
00:56:50: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das
00:56:52: weggeht.".
00:56:53: Doch ist auch der Blick einer Frau die viel vorhat oder wie sie sagt?
00:57:00: Dieses Ende ist ein Anfang!
00:57:03: Auch der Unmut über die Unterstützung aus ihrer eigenen Partei bringt sie nicht davon ab weiter ihren Weg in der Politik zu gehen – denn genau hier sieht sie auch eine Verantwortung.
00:57:16: Das ist aber ein
00:57:39: Plan für die Zukunft über den sie sich jetzt keine weiteren Gedanken macht.
00:57:44: Sie fokussiert sich nach dem Prozess, darauf einfach mal wieder durchzuatmen auf die nächsten Tage.
00:57:50: Das Wetter soll schön werden und was sie davor hat weiß ich
00:57:54: schon.".
00:57:55: Ich geh mit meiner Freundin Koptes trinken, damit auch mich selber anstoßen und dann werde ich wahrscheinlich schlafen weil das für meinen Körper extrem anstrengend ist.
00:58:03: diese Wochenlustage Und Sonntag kriegen wir Sonntagen in meine Mutter Geburtstag Frauentag.
00:58:09: normalerweise gehe ich dort mit den Grünen demonstrieren, aber diesen Sonntag finden wir zwei T-Schutzkatzen für meine Mama.
00:58:16: Deswegen glaube ich zu Hause und ich freue mich auf die... Das ist das Geburtstagsgeschick!
00:59:11: Audio-Produktion Alexander Hosanas.
00:59:14: Weitere Informationen zum Fall findet ihr auf unseren Social Media Kanälen unter Mord of Ex Podcast.
00:59:19: Falls ihr diese Recherche unterstützen wollt, abonniert gerne dem Podcast und empfehlt die Folge weiter!
Neuer Kommentar